In vielen B2B-Unternehmen verfolgen Marketing und Vertrieb eigentlich dasselbe Ziel: Umsatzwachstum. Beide Teams arbeiten daran, neue Kunden zu gewinnen und bestehende Märkte auszubauen, doch…
Trotzdem entstehen in der Praxis häufig Spannungen zwischen diesen Bereichen. Marketing liefert Leads, die aus Sicht des Vertriebs nicht ausreichend qualifiziert sind. Vertrieb kritisiert Kampagnen, während Marketing wiederum bemängelt, dass Leads nicht konsequent nachverfolgt werden.
Diese Konflikte sind selten das Ergebnis schlechter Zusammenarbeit. Sie entstehen vielmehr aus strukturellen Unterschieden zwischen Marketing- und Vertriebslogik.
Solange diese Unterschiede nicht bewusst gestaltet werden, arbeiten beide Bereiche eher nebeneinander als miteinander.
Unterschiedliche Perspektiven auf Wachstum
Marketing und Vertrieb betrachten Wachstum aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Marketing konzentriert sich auf Nachfrageentwicklung im Markt. Kampagnen sollen Aufmerksamkeit erzeugen, Inhalte sollen Vertrauen aufbauen und Zielgruppen sollen ein Problem besser verstehen.
Vertrieb arbeitet hingegen näher an der konkreten Kaufentscheidung. Gespräche, Angebote und Verhandlungen bestimmen den Arbeitsalltag. Erfolg wird an Abschlüssen und Umsatz gemessen.
Beide Perspektiven sind notwendig, verfolgen jedoch unterschiedliche Zeithorizonte. Marketing arbeitet oft langfristiger, während Vertrieb stärker auf kurzfristige Ergebnisse fokussiert ist.
Wenn Erfolg unterschiedlich gemessen wird
Ein weiterer Grund für Spannungen liegt in den Kennzahlen, nach denen beide Bereiche bewertet werden.
Marketing orientiert sich häufig an Metriken wie:
- Reichweite
- Engagement
- Leadzahlen
- Kampagnenperformance
Vertrieb hingegen bewertet Erfolg anhand von:
- Pipeline-Volumen
- Abschlussquoten
- Umsatz
Diese unterschiedlichen Kennzahlen führen dazu, dass Marketingkampagnen aus Sicht des Marketings erfolgreich sein können, während Vertrieb dennoch Schwierigkeiten hat, daraus Abschlüsse zu generieren.
Das eigentliche Problem liegt nicht bei einzelnen Teams, sondern in der fehlenden Verbindung dieser Kennzahlen.
Wenn Übergaben zwischen Marketing und Vertrieb unklar sind
Ein besonders kritischer Punkt im Umsatzprozess ist die Übergabe von Nachfrage an den Vertrieb.
In vielen Unternehmen ist nicht klar definiert, wann ein Lead tatsächlich als vertriebsrelevant gilt. Marketing übergibt Kontakte an den Vertrieb, ohne dass eindeutig festgelegt ist, welche Kriterien erfüllt sein müssen.
Vertrieb bewertet diese Leads häufig anders als Marketing. Während Marketing den Lead als Erfolg der Kampagne betrachtet, sieht Vertrieb möglicherweise keinen konkreten Bedarf beim potenziellen Kunden.
Ohne klare Definition entsteht ein Prozess, in dem beide Teams unterschiedliche Erwartungen an dieselben Kontakte haben.
Warum diese Konflikte strukturell entstehen
Die beschriebenen Konflikte sind kein Zufall. Sie entstehen aus einer Organisation, in der Marketing und Vertrieb getrennt arbeiten.
Marketing optimiert Maßnahmen zur Nachfrageentwicklung. Vertrieb optimiert Verkaufsprozesse. Beide Bereiche verfolgen ihre Ziele innerhalb eigener Strukturen.
Was häufig fehlt, ist eine gemeinsame Perspektive auf den gesamten Umsatzprozess.
Ein funktionierendes Umsatzsystem verbindet deshalb Marketing und Vertrieb entlang eines gemeinsamen Modells. Nachfrageentwicklung, Qualifizierung und Verkaufsprozesse werden als zusammenhängende Schritte betrachtet.
Die Rolle eines gemeinsamen Umsatzmodells
Ein gemeinsames Umsatzmodell sorgt dafür, dass Marketing- und Vertriebsaktivitäten ineinandergreifen.
Marketing versteht dann besser, welche Art von Nachfrage tatsächlich zu Opportunities führt. Vertrieb erhält wiederum Einblicke in die Mechanismen der Nachfrageentwicklung im Markt. Beide Teams arbeiten auf Grundlage derselben Pipeline-Struktur und nutzen gemeinsame Datenquellen.
Der Fokus verschiebt sich dadurch von einzelnen Maßnahmen hin zur Funktionsfähigkeit des gesamten Systems.
Warum Zusammenarbeit allein nicht ausreicht
Viele Unternehmen versuchen, Konflikte zwischen Marketing und Vertrieb durch bessere Kommunikation zu lösen. Regelmäßige Meetings oder gemeinsame Workshops sollen Verständnis zwischen den Teams schaffen.
Diese Maßnahmen können hilfreich sein, lösen jedoch selten das zugrunde liegende Problem.
Solange Marketing und Vertrieb unterschiedliche Ziele, Kennzahlen und Prozesse verfolgen, entstehen weiterhin strukturelle Spannungen.
Erst wenn beide Bereiche entlang eines gemeinsamen Umsatzsystems arbeiten, lassen sich diese Unterschiede wirklich überwinden.
Wenn Marketing und Vertrieb entlang eines Systems arbeiten
Unternehmen, die Marketing und Vertrieb erfolgreich miteinander verbinden, betrachten beide Bereiche als Teile eines gemeinsamen Umsatzprozesses.
Marketing sorgt dafür, dass Nachfrage im Markt entsteht und potenzielle Kunden ein Problem erkennen. Vertrieb übernimmt diese Nachfrage und führt strukturierte Verkaufsprozesse.
Beide Teams greifen dabei auf dieselben Datenstrukturen und Pipeline-Definitionen zurück. Dadurch entsteht Transparenz darüber, welche Aktivitäten tatsächlich zum Umsatz beitragen.
Was das für dein Unternehmen bedeutet
Marketing und Vertrieb verfolgen in den meisten Unternehmen dasselbe Ziel, arbeiten jedoch häufig mit unterschiedlichen Perspektiven, Kennzahlen und Prozessen.
Diese Unterschiede führen dazu, dass beide Bereiche eher nebeneinander arbeiten, statt gemeinsam ein Wachstumssystem zu bilden.
Ein funktionierendes Umsatzsystem verbindet Marketing und Vertrieb entlang eines gemeinsamen Prozesses. Nachfrageentwicklung, Qualifizierung und Verkaufsprozesse greifen dabei ineinander.
Unternehmen, die diese Verbindung herstellen, reduzieren nicht nur interne Spannungen. Sie schaffen auch die Grundlage für stabileres Umsatzwachstum im B2B.